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Die Zeit, die wir miteinander haben

Manchmal sind es die ganz gewöhnlichen Momente, die später zu den wertvollsten Erinnerungen werden. In liebevoller Erinnerung an Flöchen.

Ein Spaziergang, bei dem wir eigentlich nur schnell eine Runde drehen wollten und unser Hund plötzlich minutenlang an einer Stelle schnüffelt.

Ein Nachmittag, an dem wir gemeinsam auf dem Sofa liegen.

Ein Blick, der uns trifft, während unser Hund neben uns steht.

Eine kleine Berührung im Vorbeigehen. Ein Andrücken, wenn es gerade nötig ist.

Nichts Spektakuläres. Nichts, das auf einer Bucketlist für ein glückliches Hundeleben stehen würde.

Und doch sind es genau diese Momente, aus denen unser gemeinsames Leben besteht.

Wir haben nicht unendlich viel Zeit

Wir wissen alle, dass unsere Hunde uns nicht für immer begleiten werden. Und trotzdem schieben wir diesen Gedanken meistens weit weg.

Das ist auch gut so.

Denn ich möchte nicht, dass wir jeden Spaziergang mit dem Gedanken beginnen, dass er irgendwann der letzte sein könnte. Ich möchte nicht, dass die Endlichkeit unserer gemeinsamen Zeit uns Angst macht.

Vielleicht darf sie uns manchmal daran erinnern, bewusster hinzuschauen.

Denn für unseren Hund gibt es kein „später“.

Kein „Heute schaffe ich es nicht, aber morgen nehme ich mir richtig Zeit“.

Kein „Wenn der Stress gerade weniger ist, machen wir wieder mehr gemeinsam“.

Unser Hund lebt in diesem Moment.

Und dieser Moment ist sein Leben.

Zeit mit dem Hund ist nicht automatisch gemeinsame Zeit

Das klingt zunächst vielleicht seltsam.

Wir verbringen schließlich jeden Tag Zeit mit unseren Hunden.

Sie liegen während wir arbeiten unter unserem Schreibtisch. Sie begleiten uns beim Haushalt. Sie sind dabei, wenn wir einen Ausflug machen, Kinder versorgen, Termine wahrnehmen oder abends auf dem Sofa sitzen.

Aber körperliche Anwesenheit ist nicht automatisch Verbindung.

Man kann viele Stunden miteinander verbringen und trotzdem wenig wirklich miteinander erleben.

Und genau hier liegt für mich ein wichtiger Gedanke in der Bedürfnisorientierung:

Es geht nicht darum, möglichst viel mit unserem Hund zu machen. Es geht darum, wirklich bei ihm zu sein.

Was braucht mein Hund gerade?

Bedürfnisorientierung bedeutet nicht, dass wir jeden Wunsch unseres Hundes erfüllen müssen.

Sie bedeutet vielmehr, dass wir bereit sind hinzusehen.

Was braucht mein Hund gerade?

Braucht er Bewegung oder Ruhe?

Möchte er Kontakt oder lieber Abstand?

Ist er bereit für eine Trainingseinheit oder ist sein Kopf eigentlich schon voll?

Möchte er auf dem Spaziergang Strecke machen – oder braucht er heute zehn Minuten für einen einzigen Grashalm?

Vielleicht möchte er spielen.

Vielleicht möchte er einfach nur neben uns liegen.

Vielleicht braucht er Sicherheit.

Vielleicht braucht er Raum.

Und vielleicht braucht er gerade überhaupt nichts von uns – außer dem Wissen, dass wir da sind.

Das bedeutet für mich Beziehung.

Nicht, unseren Hund ständig zu beschäftigen.

Nicht, jeden Spaziergang zu einem Trainingsspaziergang zu machen.

Nicht, jede freie Minute mit einer Aktivität zu füllen.

Sondern auch einmal auszuhalten, dass nichts passieren muss.

Ein Hundeleben muss nicht spektakulär sein

Wir leben in einer Zeit, in der selbst das Leben mit Hund manchmal einem Optimierungsprojekt gleicht.

Der Hund soll ausgelastet sein.

Er soll Kopfarbeit bekommen.

Er soll Nasenarbeit bekommen.

Er soll Tricks lernen.

Er soll neue Orte kennenlernen.

Er soll ausreichend Sozialkontakte haben.

Er soll körperlich fit bleiben.

Er soll möglichst entspannt sein.

Und natürlich möchten wir all das richtig machen.

Aber vielleicht brauchen unsere Hunde gar kein möglichst abwechslungsreiches, perfekt durchgeplantes Leben.

Vielleicht brauchen sie vor allem ein Leben, in dem sie sich sicher fühlen.

Ein Leben, in dem ihre Bedürfnisse gesehen werden.

Ein Leben, in dem sie nicht ständig funktionieren müssen.

Ein Leben, in dem sie wissen, worauf sie sich verlassen können.

Und Menschen, die bereit sind, sie wirklich kennenzulernen.

Denn ein erfülltes Hundeleben muss nicht aus möglichst vielen Erlebnissen bestehen.

Es darf auch aus ganz viel Selbstsein bestehen.

Vielleicht müssen wir gar nicht mehr Zeit finden

Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke für mich.

Wir sprechen so oft davon, dass wir mehr Zeit mit unseren Hunden verbringen möchten.

Aber vielleicht müssen wir gar nicht zwingend mehr Zeit finden.

Vielleicht dürfen wir die Zeit, die sowieso da ist, einfach anders betrachten.

Der Spaziergang muss nicht immer schnell erledigt werden.

Das gemeinsame Liegen auf dem Sofa muss nicht nebenbei stattfinden, während wir durch unser Handy scrollen.

Der Moment, in dem unser Hund uns anschaut, muss nicht einfach vorbeiziehen.

Vielleicht können wir manchmal bewusst stehen bleiben.

Atmen.

Hinschauen.

Den Hund neben uns wahrnehmen.

Seine Wärme.

Seinen Geruch.

Seine kleinen Bewegungen.

Vielleicht einmal darüber nachdenken, wie selbstverständlich es sich anfühlt, dass dieser Hund gerade da ist.

Und wie kostbar genau diese Selbstverständlichkeit eigentlich ist.

Unsere Hunde brauchen nicht unsere perfekte Version

Ich glaube, wir dürfen uns dabei auch selbst ein wenig Druck nehmen.

Unser Hund braucht keinen Menschen, der jeden Tag alles richtig macht.

Er braucht keinen Menschen, der immer geduldig ist, immer ausreichend Zeit hat und jede Situation perfekt begleitet.

Wir sind Menschen.

Wir haben Arbeit. Termine. Sorgen. Verpflichtungen. Tage, an denen uns alles zu viel ist.

Bedürfnisorientierung bedeutet deshalb auch nicht, sich selbst aus den Augen zu verlieren.

Auch unsere Bedürfnisse zählen.

Es geht nicht darum, sich für den Hund vollständig aufzugeben.

Es geht um Beziehung.

Um gegenseitiges Wahrnehmen.

Um die Frage:

Wie können wir unser gemeinsames Leben so gestalten, dass es für uns beide möglichst gut passt?

Und manchmal ist die bedürfnisorientierteste Entscheidung vielleicht tatsächlich, heute keinen großen Spaziergang zu machen.

Sondern gemeinsam einen ruhigen Tag zu verbringen.

Was bleibt?

Vielleicht werden wir irgendwann nicht mehr wissen, wie viele Spaziergänge wir mit unserem Hund gemacht haben.

Wir werden nicht mehr wissen, wie oft wir das Futter vorbereitet haben oder welches Geschirr er am liebsten getragen hat.

Vielleicht erinnern wir uns auch nicht mehr an jedes Training, das wir absolviert haben.

Aber wir werden uns erinnern, wie es sich angefühlt hat.

An diesen einen Hund.

An seine Eigenheiten.

An sein leises Seufzen, wenn er sich neben uns fallen ließ.

An die Art, wie er uns begrüßte.

An seinen Blick.

An die gemeinsamen Wege.

An die Momente, in denen die Welt für einen Augenblick ganz klein wurde und nur wir beide da waren.

Vielleicht sind es genau diese scheinbar unbedeutenden Momente, die irgendwann zu den bedeutendsten werden.

Deshalb möchte ich nicht dazu aufrufen, möglichst viel aus der Zeit mit unseren Hunden herauszuholen.

Ganz im Gegenteil.

Ich wünsche mir, dass wir manchmal aufhören, etwas aus ihr herausholen zu wollen.

Dass wir nicht immer trainieren, beschäftigen, optimieren und erleben müssen.

Dass wir einfach gemeinsam da sein dürfen.

Denn unsere Hunde brauchen nicht ständig mehr.

Sie brauchen uns.

Mit unserer Aufmerksamkeit.

Mit unserer Verlässlichkeit.

Mit unserem Verständnis.

Und mit der Bereitschaft, ihnen wirklich zuzuhören. Auch dann, wenn sie nicht mit Worten sprechen.

Unsere gemeinsame Zeit ist begrenzt.

Aber wir müssen nicht jeden einzelnen Moment besonders machen.

Vielleicht reicht es, die besonderen Momente in den ganz normalen zu erkennen.

Und vielleicht ist genau das eines der größten Geschenke, die wir unseren Hunden machen können:

Nicht mehr in ihrer Zeit zu machen.

Sondern mehr in der Zeit da zu sein, die wir miteinander haben.

 
 
 

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