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"Da muss er durch.“ – Warum dieser Satz im Hundetraining oft mehr schadet als hilft

"Da muss er jetzt durch."

Ein Satz, den ich im Hundetraining immer wieder höre. Meist ist er gar nicht böse gemeint. Dahinter steckt oft der Wunsch, den Hund an Situationen zu gewöhnen oder ihm zu zeigen, dass "nichts passiert".

Doch genau hier liegt das Problem.

Gewöhnung funktioniert nicht durch Überforderung

Damit ein Hund lernen kann, dass eine Situation ungefährlich ist, muss er überhaupt noch lernfähig sein.

Befindet sich ein Hund bereits in starkem Stress, Angst oder großer Unsicherheit, übernimmt sein Überlebenssystem. Sein Körper schüttet Stresshormone aus, Herz- und Atemfrequenz steigen, die Muskulatur spannt sich an. In diesem Zustand geht es nicht mehr darum, Neues zu lernen – sondern zu überleben.

Wird der Hund trotzdem in der Situation gehalten, lernt er häufig nicht: "Das war gar nicht schlimm."

Er lernt vielmehr:

  • Ich komme hier nicht weg.

  • Meine Signale werden nicht ernst genommen.

  • Ich muss die Situation irgendwie aushalten.

Was kann passieren?

Manche Hunde reagieren immer heftiger. Sie bellen, ziehen in die Leine, knurren oder schnappen, weil sie versuchen, mehr Abstand zu schaffen.

Andere Hunde wirken plötzlich ruhig.

Doch Ruhe bedeutet nicht automatisch Entspannung.

Manche Hunde frieren ein, bewegen sich kaum noch oder geben auf. Dieses Verhalten wird häufig als "Erfolg" interpretiert, obwohl der Hund innerlich enormen Stress erlebt. In der Verhaltensbiologie spricht man unter bestimmten Umständen von einer Form der erlernten Hilflosigkeit.

Die Folgen können weitreichend sein

Wiederholte Überforderung kann dazu führen, dass:

  • Ängste stärker statt schwächer werden.

  • Die Reizschwelle immer weiter sinkt.

  • Vertrauen in den Menschen verloren geht.

  • Aggressionsverhalten zunimmt.

  • Der Hund immer schneller gestresst reagiert.

  • Chronischer Stress die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinträchtigt.

Nicht jeder Hund zeigt diese Folgen sofort. Manche wirken lange unauffällig – bis das Fass irgendwann überläuft.

Was hilft stattdessen?

Gutes Training bedeutet nicht, schwierige Situationen grundsätzlich zu vermeiden.

Es bedeutet, den Hund so zu begleiten, dass er sie bewältigen kann.

Das gelingt beispielsweise durch:

  • ausreichend Abstand zum Auslöser,

  • kleinschrittiges Training,

  • positive Verknüpfungen,

  • Mitbestimmungsmöglichkeiten für den Hund,

  • Management, wenn Lernen gerade nicht möglich ist,

  • und das Beachten der individuellen Belastungsgrenze.

So entstehen echte Lernerfolge statt bloßes Aushalten.

Mein Fazit

"Da muss er durch" klingt einfach.

Doch Lernen braucht Sicherheit – nicht Überforderung.

Ein Hund, der sich sicher fühlt, kann Erfahrungen sammeln, Vertrauen entwickeln und neue Strategien lernen. Ein Hund, der nur aushält, lernt häufig etwas völlig anderes.

Unser Ziel sollte deshalb nie sein, dass der Hund Situationen einfach erträgt.

Unser Ziel sollte sein, dass er sie mit unserer Unterstützung wirklich bewältigen kann.


Wenn du lernen möchtest, wie du deinen Hund in herausfordernden Situationen unterstützen kannst, melde dich gern bei mir.

 
 
 

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