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Manchmal wissen wir es einfach nicht

vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente mit unseren Hunden, in denen wir ziemlich genau merken: Irgendetwas stimmt gerade nicht.

Aber was?

So ging es mir neulich mit Mable.

Sie war ungewöhnlich unruhig, bellte immer wieder und wollte mehrfach nach draußen. Dann war sie wieder drinnen. Kurz ruhig, dann wieder unruhig. Ich habe beobachtet, überlegt, versucht einzuordnen, aber so richtig konnte ich nicht herausfinden was ihr eigentlich fehlte.

Im Nachhinein würde ich vermuten, dass ihr Bauch nicht ganz in Ordnung war. Vielleicht ein bisschen Bauchweh oder Unwohlsein. Sicher sagen kann ich das natürlich nicht.

Und genau solche Situationen finde ich spannend, wenn es um das Thema Wohlbefinden geht.

Denn wir können nicht immer sofort herausfinden, warum es unserem Hund gerade nicht gut geht.

Aber wir können uns fragen:

Was kann ich jetzt tun, damit es ihm ein bisschen besser geht?

Mabels kleine Wohlfühl-Werkzeugkiste

Mable hat in dieser Situation von sich aus meine Nähe gesucht.

Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Sie kam auf mich zu. Ich habe diese Annäherung nicht eingefordert, sondern ihre Kommunikation wahrgenommen und darauf reagiert.

Ich habe ihr Social Support angeboten.

Keine Umarmung gegen ihren Willen. Kein Festhalten. Kein „Jetzt entspann dich mal“. Einfach Unterstützung, weil sie offensichtlich gerade meine Nähe gebrauchen konnte.

Zusätzlich habe ich unsere Entspannungsmusik angemacht.

Diese Musik ist bei uns über viele Wiederholungen hinweg mit Entspannung und Ruhe verknüpft worden. Sie ist also nicht einfach irgendeine Musik, die zufällig im Hintergrund läuft, sondern ein Bestandteil unserer konditionierten Entspannung.

Und tatsächlich konnte Mable sich damit zunehmend regulieren.

Sie wurde ruhiger, entspannte sich und wirkte anschließend so als fühle sie sich deutlich wohler.

Das war kein spektakulärer Trainingserfolg.

Aber für mich war es trotzdem ein sehr wertvoller Moment.

Handlungsfähig bleiben, auch wenn wir keine Antwort haben

Ich glaube, genau darin liegt der Wert solcher Tools.

Wir müssen nicht immer sofort wissen, warum unser Hund gerade unruhig ist.

Wir müssen nicht jedes Verhalten unmittelbar erklären können.

Und wir müssen auch nicht für jede Situation einen perfekten Trainingsplan aus der Tasche ziehen.

Manchmal reicht zunächst eine kleine Auswahl an Möglichkeiten, die wir unserem Hund anbieten können.

Eine Art persönliche Wohlfühl-Werkzeugkiste.

Was darin liegt, ist natürlich von Hund zu Hund unterschiedlich. Für den einen Hund kann konditionierte Entspannung hilfreich sein, für den anderen eine Möglichkeit zum Schnüffeln, eine Futtersuche, ein bestimmter Rückzugsort oder einfach die Möglichkeit, in der Nähe seines Menschen zu sein.

Entscheidend ist nicht die Größe der Kiste.

Entscheidend ist, dass wir verschiedene Möglichkeiten kennen und sie vorher in ruhigen Situationen aufbauen.

Denn wenn der Hund gerade gestresst, unruhig oder körperlich angeschlagen ist, ist nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, ein neues Tool einzuführen.

Und natürlich: Wohlbefinden ersetzt keine Ursachenklärung

Das ist mir an dieser Stelle besonders wichtig.

Wenn ein Hund plötzlich deutlich unruhiger ist, häufiger bellt, nicht zur Ruhe kommt oder sich anders verhält als sonst, sollten wir nicht einfach davon ausgehen, dass er „Stress hat“ und versuchen, diesen wegzutrainieren.

Verhaltensveränderungen können auch auf Schmerzen, körperliches Unwohlsein oder andere gesundheitliche Ursachen hinweisen.

Bei Mable weiß ich bis heute nicht mit Sicherheit, was der Auslöser war.

Und das ist okay.

Ich muss nicht jede Situation perfekt erklären können, um meinen Hund in diesem Moment zu unterstützen.

Ich kann beobachten. Ich kann zuhören. Ich kann Angebote machen. Ich kann schauen, was ihr gut tut. Und ich kann gleichzeitig im Blick behalten, ob es einen Grund gibt, der weiter abgeklärt werden sollte.

Wohlbefinden ist kein Luxus

Für mich gehört das ganz selbstverständlich zu gutem Hundetraining.

Denn Training besteht nicht nur daraus, bestimmte Verhaltensweisen aufzubauen oder unerwünschtes Verhalten zu verändern.

Es geht auch darum, die Lebensqualität unserer Hunde im Blick zu behalten.

Um Sicherheit. Um Bedürfnisse. Um Regulation. Um passende Unterstützung. Und manchmal einfach darum, einem Hund durch einen schwierigen Moment zu helfen.

Deshalb mein Tipp:

Stell dir deine eigene kleine Wohlfühl-Werkzeugkiste zusammen.

Nicht mit möglichst vielen Dingen.

Sondern mit den Möglichkeiten, die deinem Hund tatsächlich helfen.

Baue sie in entspannten Situationen auf. Beobachte, was dein Hund annimmt. Lerne seine Signale kennen. Und schaffe dir damit ein kleines Repertoire, auf das du zurückgreifen kannst, wenn das Leben gerade nicht nach Plan läuft.

Denn manchmal wissen wir nicht, was los ist.

Aber wir können trotzdem dafür sorgen, dass es ein kleines bisschen besser wird.

Und wenn es meinem Hund besser geht, steigt meistens auch mein eigenes Wohlbefinden.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten daran, gemeinsam durchs Leben zu gehen.

 
 
 

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